Wanderer auf dem Smith Mountain Trail nahe Dadeville in Tallapoosa County, Alabama Scott Baker | Alabama Tourism Department

Alabamas natürliche Wunder

Alabama beherbergt eine reiche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten und übertrifft damit jeden anderen Bundesstaat östlich des Mississippi River. Das subtroplische Klima und regelmäßige Niederschläge sorgen für eine ausgedehnte Vegetationsperiode und bieten reichlich Lebensraum für eine Vielzahl von Wildtieren. Die geologischen Prozesse der Vergangenheit haben ein vielfältiges Terrain aus verschiedenen Gesteins- und Bodenarten geformt, was die Region besonders lebensfreundlich macht. Mit über 4.500 dokumentierten Arten von Flora und Fauna ist Alabama ein wahres Naturparadies.

 

1. Ganze 50 Kilometer schneeweiße Strände drapieren den südlichsten Punkt Alabamas. Ihr Sand besteht aus besonders feinen Quarzpartikeln, die vor Jahrtausenden über Flüsse aus den Appalachen an die Küste gespült wurden und einen strahlenden Kontrast zum türkisfarbenen Wasser des Golfs von Mexiko bilden. Alljährlich legen Meeresschildkröten hier ihre Eier in den Sand. Tierschützer kennzeichnen die Nester, um Badegäste sicher an ihnen vorbeizuführen. Von Mai bis Oktober schlüpfen die kleinen Schildkröten bei Nacht und folgen dem sich im Wasser spiegelnden Mond ins Meer. Mit etwas Glück wird man Zeuge dieses Schauspiels.

2. Nördlich der Bucht Mobile Bay erstreckt sich das mehr als tausend Quadratkilometer große Mobile-Tensaw Delta, das zweitgrößte Feuchtgebiet seiner Art in Amerika. Fünf Flüsse strömen hier zusammen und bilden weitverzweigte Seen-, Sumpf und Moorlandschaften, zwischen deren Zypressen und Laubbäumen Hirschwild, Schildkröten und Alligatoren leben. Hinzu kommen über 300 bekannte Vogelarten. Am besten erkundet man mit dem Boot die Winkel des Deltas. Ein schöner Blick in die Landschaft bietet sich auch von der Besucherplattform des Five Rivers Delta Resource Center in Spanish Fort. Im Besucherzentrum selbst erklären eine Ausstellung und ein Dokumentarfilm das Delta. Im angeschlossenen Souvenirshop wird Schmuck und Kunsthandwerk von Handwerkern aus der Region angeboten.

3. Der Cahaba ist der längste unbegradigte Fluss Alabamas und alljährlich Schauplatz eines derart ungewöhnlichen Naturspektakels, dass diesem sogar ein eigenes Festival gewidmet ist. Jeden dritten Samstag im Mai feiert die Kleinstadt West Blocton das Cahaba Lily Festival und damit die Blüte der weißen, anmutigen Cahaba-Lilie – einer Blume die nur zwischen Mai und Juni blüht und ausschließlich in drei Südstaaten heimisch ist. Um sich wohlzufühlen braucht sie schnellfließendes Wasser und viel Sonne, wie sie beides in den felsigen Untiefen des Cahaba-Flusses findet. Kleinere Bestände der Planze finden sich auch im Bach Hatchett Creek und im Tallapoosa River.

4. Am Fuße des Appalachen Gebirges erhebt sich Alabamas höchster natürlicher Punkt: Der Mount Cheaha (730 Meter). Im Herbst kleiden sich die Eichen- und Hickorybäume der Region in kräftige Farbtöne, wie man sie sonst eher aus Neuengland kennt. Mitten hindurch geht der 42 Kilometer lange Talladega Scenic Drive, der beim Highway 281 nahe Heflin beginnt, über die Adams Gap Road führt und schließlich in die Forststraße 600 mündet. Diese Panoramastraße passiert den von imposanten Felsvorsprüngen und sanften Hügeln geprägten Talladega National Forest. Im Cheaha State Park lohnt sich ein Stopp am Bunker Tower, einem steinernen Aussichtsturm aus der Zeit von Präsident Franklin Roosevelt. Eine Tafel markiert hier den höchsten Punkt des Naturschutzgebietes, an klaren Tagen mit kilometerweiten Ausblick. Im Innern des Turms erinnert das CCC-Museum an die Männer des Arbeitsbeschaffungsprogramms Civilian Conservation Corps, die während der Weltwirtschaftskrise den State Park erschlossen.

5. Nordosten Alabamas liegt das Naturschutzgebiet des Little River Canyon. Über Millionen von Jahren schnitt der Little River, vom Lookout Mountain kommend, eine tiefe Schlucht in die Landschaft und schuf so Felswände, die an manchen Stellen bis zu 180 Meter in die Tiefe reichen. Gleich zu Beginn des Canyons tost der Publikumsliebling des Parks: die Little River Falls. Entlang des Flusslaufes finden Wanderer, Angler und Paddler Spitzen-Reviere. Aber auch für Botaniker hält der Canyon eine Überraschung bereit: ein Moor inmitten des gebirgigen Geländes, das zudem die gefährdete grüne Kannenpflanze beheimatet. Sie ernährt sich von Insekten, die sie ihren röhrenförmigen Blättern fängt. Bei der Verdauung helfen Enzyme. Mit etwas Glück bekommt man die seltene Pflanze zu sehen. Das Little River Canyon Center versorgt Besucher mit vielen nützlichen Informationen über Wanderwege und Aussichtspunkte. Auch beherbergt es eine Ausstellung über den Canyon.

6. Die Cathedral Caverns, erst im Jahr 2000 von einem Privateigentümer gekauft, bieten heute als State Park viel Platz zum Campen, Wanderwege und spannende Einblicke in den Edelsteinabbau. Das wahre Highlight des Parks liegt aber im Untergrund. Mehrmals täglich werden 90minütige geführte Touren in die Höhlen angeboten. Der barrierefreie Eingangsbereich misst 38 Meter in der Breite. In der Tiefe führen Gänge vorbei an Karst-Topographie-Sinklöchern, unterirdischen Bächen, immer neuen in Kalkstein gewaschene Höhlen und zur größten Stalagmiten-Säule der Welt! 14 Meter hoch und 74 Meter im Umfang trägt dieser Koloss den passenden Namen Goliath. Weitere Formationen heißen „gefrorener Wasserfall“, „Pfeifenorgel“ oder „Höhlenspeck“. Bei Innentemperaturen um die 15 Grad sind die Höhlen insbesondere an heißen Sommertagen ein beliebtes Ausflugsziel.

7. Die Natural Bridge nahe der gleichnamigen Kleinstadt gilt als die längste natürliche Brücke östlich der Rocky Mountains. Sie überspannt 45 Meter und misst an ihrem höchsten Punkt rund 18 Meter. Die Brücke ist das Ergebnis eines langen Prozesses, der Sandstein wegspülte und die festere Struktur aus Eisenerz zurückließ. Zwar darf man aus Sicherheitsgründen die Brücke nicht betreten. Gegen ein kleines Eintrittsgeld aber erschließt sich ihre Pracht auch von einem anderthalb Kilometer langen Rundweg. Aufmerksame Wanderer entdecken vielleicht auch den Eastern Hemlock – eine Spielart der anmutigen, schattenverträglichen Hemlocktanne, die in Alabama an wenigen Orten gedeiht.

Fort Payne mit Wasserfall in Alabama CHRIS GRANGER | Alabama Tourism Department
Fort Payne mit Wasserfall in Alabama
Cathedral Caverns in Alabama DENISE OROURKE | Alabama Tourism Department
Cathedral Caverns in Alabama
Natural Bridge in Alabama Chris Granger | Alabama Tourism Department
Natural Bridge in Alabama

8. Rund zwanzig Kilometer südlich von Russellville schnitt über Jahrtausende das Wasser in den Sandstein und formte so den 34 Hektar großen Dismals Canyon. Ein zweineinhalb Kilometer langer Pfad führt Besucher durch diese Schlucht in Privatbesitz mit ihren eindrücklichen Felsformationen,wie dem nur 40 Zentimeter breiten Felsspalt namens Fat Man’s Misery – wer hier durchwill, muss also schon mal den Bauch einziehen – , mehreren Naturbrücken und zwei Wasserfällen. Tulpenpappeln, Buchen, Hemlocktannen, Moose und Farne stechen aus der Flora hervor. Im Mai und Juni lohnt es, eine nächtliche Tour zu buchen, denn dann hat die Larfe der Orfelia Fultoni Saison. Die Glühwürmchen sind das einzige natürlich leuchtende Insekt Nordamerikas.

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